Der Einsatz der neuen Technologien allein ändert noch nichts. Man kann auch mit den Computern einen erzkonservativen Unterricht machen. Aber sie öffnen vor der Schule neue Möglichkeiten. Von den LehrerInnen ist es abhängig, ob dieses Potenzial sinnvoll genutzt wird. Es geht nicht darum, den Lernprozess weiter zu technisieren (und diese Gefahr ist leider sehr wahrscheinlich), sondern mit Hilfe der modernen Technik die Schüler auf das Leben in der technisierten Welt vorzubereiten. Paradoxerweise kann uns die neue Technik helfen, die Lernprozesse zu humanisieren. Es gelingt, wenn es beim Lernen zum Meinungs- und Erfahrungsaustausch kommt, wenn die Menschen miteinander kommunizieren werden. Wenn im Lernprozess Freiräume für authentische Schülerinteressen und für autonomes Lernen verschafft werden. Jetzt muss der Lehrer oft zwischen dem Curriculum und den Schülerinteressen wählen. Nicht selten entscheidet über die Unterrichtsinhalte die Form der Prüfungen. Jugendliche werden mit vielen Problemen allein gelassen, weil sie nicht prüfungsrelevant sind.
Wir leben in einer durchrationalisierten und technisierten Welt, wo man alles Mögliche zu regeln versucht. Die Schule ist auch keine Ausnahme. Es gibt hier Lehrpläne, Curricula, Rahmenrichtlinien, Lehrbücher, Stoffverteilung, Arbeitsplan der Schule und vieles mehr. Das alles verursacht, dass die Menschen nicht als konkrete Personen agieren, sondern sich in vorgeschriebene Rollen hineinversetzen. Man sagt nicht das, was man sagen will, was einem wichtig ist, sondern das, was man sagen muss.
Im Alltag sagen wir etwas, was wir anderen Menschen etwas mitteilen wollen. Etwas tut uns weh, etwas wundert uns, es gibt eine Neuigkeit. Hinter jedem Satz verbirgt sich eine Absicht, eine persönliche Absicht. Ich will etwas sagen, ich fühle etwas, ich denke mir etwas.
Wenn ich den Unterricht meiner Studenten beobachte, dann sehe ich, dass es dort so gut wie keine echten Dialoge gibt. Man spricht, um bestimmte Situationen zu simulieren, und nicht um etwas Wichtiges (wichtig für den, der spricht) anderern Menschen mitzuteilen.
Mir scheint die Frage wichtig zu sein, ob es noch in der Schule Platz für die Schüler- und Lehrerautonomie gibt. Warum soll der Lehrer zwischen interessanten, aktuellen Themen und dem Lehrplan wählen?
Während der Fortbildungsseminare, in denen ich z.B. Internetprojekte bespreche, sagen oft die LehrerInnen, Projekte sind ‘ne tolle Sache und sie würden sie gerne machen, aber es gibt ja der Lehrplan und die Prüfungen.
Ich will diese Möglichkeit nutzen und meine Studenten fragen, ob sie in den Schulen das machen können, was sie persönlich für interessant und wichtig halten, ob sie ohne Probleme den Schülerinteressen nachgehen können.
Bekommen eure SchülerInnen die Möglichkeit, das zu sagen, was für sie (und nicht für den Lehrbuchautor) wichtig ist. Gibt es heutzutage im Fremdsprachenunterricht Platz für Dialoge? Hier denke ich aber nicht an simulierte Dialoge (Wie komme ich zum Rathaus?), sondern an echte Gespräche zwischen den Menschen, die miteinander sprechen, weil sie sich etwas Wichtiges zu sagen haben.
Ich werde meine Studenten bitten, diese Fragen in meinem Blog zu beantworten, aber es wäre sehr interessant, wenn auch erfahrene Lehrer ihre Meinung sagen würden. Vielleicht kann es so zu einem Dialog kommen, der als Meinungsaustausch verstanden wird.
Wunderbar Marzena,
ein spannender Beitrag. Du bist also mit deinem Projekt schon weit fortgeschritten. Planst du mit Marina einen Austausch?
Ich hatte heute ein Gespräch mit der Geschichtelehrerin meines Sohnes und habe ähnliche Worte gebraucht – Schule muss interessant sein (können), nicht nur eine Qual für alle Beteiligten.
Lg, Angelika